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25. Sept. 2010
"Historische
Wiesn 2010"
 



Chronik der Historischen Gebirgsschützenkompanie Wolfratshausen
 

Die Gebirgsschützenkompanie Wolfratshausen hat eine jahrhundertealte Tradition, sie hat ihren Ursprung im späten Mittelalter. Anno 1479 befiehlt Herzog Albrecht dem Landgericht Wolfratshausen eine "Harnasch-Beschau", im ältesten Dokument der Schützenkompanie wird über deren Ergebnis berichtet. Die wehrfähigen Männer der "Harnasch-Beschau" (Körperschutz aus Eisen) gehören zum Landaufgebot der Bauern und Bürger, das "zur Verteidigung der Gränzen und Plätze" im Gebirge und ausschließlich zum Schutz der engeren Heimat bestimmt ist.
Das Landaufgebot ist der Vorläufer der Gebirgsschützen, auch wenn es im Laufe der Jahrhunderte "Landfahne", "Landwehr" und "Bürgerwehr" genannt wird.

Die "Wolfratshauser Landfahne" muss während des "30-jährigen Krieges" einen hohen Blutzoll zahlen, als schwedische Truppen hier ihr mörderisches Unwesen treiben.

Besondere Bedeutung hat auch das Jahr 1705 erlangt, damals wütete in Europa der "Spanische Erbfolgekrieg". Als kaiserliche bzw. österreichische Truppen Bayern besetzen, es zu Kontributionen und schließlich zu Zwangsrekrutierungen kommt, bricht im Oberland ein großer Aufstand los. Er endet mit der Katastrophe von Sendling, vor den Toren Münchens, wo an Weihnachten 1705 über 1100 Oberlandler der "Churbairischen Landesdefension" niedergemetzelt werden. Unter den Opfern sind auch viele von der "Wolfratshauser Landfahne"

Im Verlauf der Napoleonischen Kriege wird 1809 ein "Corps Bairischer Gebirgsschützen" zum Schutze gegen einfallende feindliche Tiroler aufgestellt. Die hiesige Füsilierkompanie bzw. Bürgerwehr-Kompanie ist zu der Zeit 94 Mann stark. 1836 stiftet Herzog Maximilian in Bayern "Seiner getreuen Bürgerkompanie Wolfratshausen" eine große gemalte Schützenscheibe.

Die Wolfratshauser Kompanie hat aber nicht nur Verteidigungsaufgaben, sie wird auch zur Aufrechterhaltung der inneren Ruhe und Sicherheit eingesetzt,  wozu Patrouillen, Wachdienste und Feuer-Pickete gehörten. Als 1868 der Sitz der Kompanie nach München verlegt wird, endet die geschichtsträchtige Zeit der Landwehr in Wolfratshausen.

Gut 100 Jahre später lebt die alte Tradition wieder auf: am 17. Februar 1983 wird die historische "Gebirgsschützenkompanie Wolfratshausen" wiedergegründet.
Hinzukommen im selben Jahr zur rhythmischen bzw. musikalischen Unterstützung die Trommler und Pfeifer des Spielmannszuges Gelting und 1992 die Musikkapelle Münsing, die beide bei Ausrückungen in die Schützenkompanie integriert sind.
Ihre Montur orientiert sich an den Regeln der Gebirgsschützenordnung von 1848 und ist wie folgt festgelegt: grauer Monturrock mit grünem Kragen und Ärmelstulpen, grüner Stopselhut mit Spielhahnstoß, schwarze Bundlederhose und graue Kniestrümpfe, schwarze Haferlschuhe, Gewehr bzw. Säbel.

Der erste offizielle Auftritt der wiedergegründeten Schützenkompanie erfolgt am Patronatstag der Bayerischen Gebirgsschützenkompanien am 06. Mai 1984 in Beuerberg.

Folgende Daten dokumentieren beispielhaft die Ereignisse bzw. Aktivitäten der Gebirgsschützen:

1990 Ehrensalut für Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl in Bonn
   
1992 Wolfratshausen stellt Ehrenzug beim Weltwirtschaftsgipfel in München
   
1999 48. Patronatstag der Bayrischen Gebirgsschützenkompanien in Wolfratshausen
   
2001 Ehrenkompanie beim 60. Geburtstag des bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber
   
1988/1993/2002 Teilnahme am Oktoberfestschützen- und Trachtenzug in München
   
1987/2002/2006 Privataudienz bei den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI.
   
1989 Errichtung und Einweihung des Gebirgsschützenheimes "St. Sebastiani"
   
1993 Weihe einer neuen Kompaniefahne
   
2001 Einweihung des "Sebastianisteges" mit Relief auf Initiative der Gebirgsschützenkompanie
   
2005 Errichtung einer Gedenktafel an der Rathausfassade für die Wolfratshauser Opfer der Sendlinger Mordweihnacht von 1705
   
2006 Beim Besuch des russischen Präsidenten W. Putin am 11. Oktober in München, ist die Wolfratshauser Gebirgsschützenkompanie Ehrenkompanie

Wenn auch heute die Verteidigung der Heimat in anderen Händen ist, so liegt die Bedeutung der Gebirgsschützen nicht nur in der Traditionspflege. Aufgabe der Gebirgsschützenkompanie ist es, insbesonders alpenländische Sitte und wehrhaftes Brauchtum zu erhalten und weiterzugeben sowie die in der jahrhundertealten Tradition begründeten Verpflichtungen zum Schutze und zur Pflege der Heimat zur wahren.